Verkauft ! Marseille gibt Halle auf

Verkauft! Marseille gibt Halle auf

Hamburger macht Überraschungsdeal mit Kölner Finanz-AG – Geheimes Geschäft im März
Ulrich Marseille

HALLE. Er war in Halle kein Mann der leisen Töne. Er zoffte sich lautstark mit GWG, HWG, Stadtwerken, S+K und wirbelte mehrfach Staub auf der hiesigen politischen Bühne auf. Doch nun hat er sich heimlich, still und leise verabschiedet. Selbst seine Mitarbeiter erfuhren offenbar erst hinterher, dass der Hamburger Klinikbetreiber und Geschäftsmann Ulrich Marseille seinen kompletten Wohnungsbestand für einen Millionenbetrag an den Finanzdienstleister Vivacon in Köln verkauft hat.
Das Wirtschaftsmagazin „Capital“, das mit Redaktionen in Köln und Hamburg ganz dicht an den Quellen des Deals saß, berichtete jüngst darüber und so sickerte über die kleine, ausgewählte Leserschar die Überraschungsnachricht auch nach Halle durch. Mit Gewinn habe er seine 2808 Plattenbauwohnungen an den Kölner Immobilienkonzern Vivacon AG verkauft, heißt es in dem Bericht. Auf SN-Anfrage bestätigte Marseille, dass er ein Angebot der Kölner Immobilienhändler angenommen hat. „Der Kaufpreis hat knapp 100 Millionen Euro betragen, die Häuser sind zwischenzeitlich auch an die Käuferin übergegangen.“
Für den plötzlichen Verkauf nennt Marseille mehrere Gründe: „Wohnungsvermietung ist nicht mein Hauptgeschäftsfeld, ich habe dies in den vergangenen Jahren sozusagen wie ein Hobby – so nebenbei – betrieben. Mein Hauptgeschäftsfeld sind Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.“ Der Zeitpunkt sei aus steuerlichen und finanziellen Gründen günstig, auch weil die gut sanierten und organisierten Wohneinheiten zu 98,8 Prozent vermietet seien.
Doch der Verkauf ist auch ein Nachtreten. Marseille ist fertig mit Halle, steht zwischen den Zeilen.
Mein Hauptgeschäftsfeld sind Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.“ Der Zeitpunkt sei aus steuerlichen und finanziellen Gründen günstig, auch weil die gut sanierten und organisierten Wohneinheiten zu 98,8 Prozent vermietet seien.
Doch der Verkauf ist auch ein Nachtreten. Marseille ist fertig mit Halle, steht zwischen den Zeilen.
In seinem Schreiben an SN mit Absender EWG Hansel Wohnungs-KG Hamburg erklärt er, sich an anderen Orten einsetzen zu wollen, „wo die politischen Verhältnisse nicht so desaströs sind wie in Halle an der Saale.“ Den Bürgern der Stadt Halle wolle er aber weiter verbunden bleiben.
Wie der Vivacon-Vorstandsassistent Michael Schroeder auf SN-Nachfrage sagte, ist das Geschäft bereits seit 27. März perfekt. Das Finanzunternehmen handelt unter anderem mit Immobilien. Der Weiterverkauf des Halle-Bestandes ist geplant, eine Stückelung indes nicht.
Ulrich Marseille hatte die nun verkauften Wohnungen 1995 für insgesamt 73 Millionen D-Mark von der GWG erworben.
In der Folge gab es von 1998 bis 2000 heftige gerichtliche Auseinandersetzungen um die Frage, ob
der Kaufpreis dem Immobilienwert entsprach. Zuletzt hatte Marseille die zum Abriss vorgesehenen Punkthochhäuser am Riebeckplatz und am Steg von der HWG kaufen wollen. Als die das Angebot ablehnte, sollte der Landesrechnungshof das städtische Unternehmen als Steuergeldverschwender entlarven.

Martin Schramme

Quelle:
http://www.sonntagsnachrichten.de/index.php?id=1,17,0,0,1,0″