Rechtsanwalt und KFZ-Sachverständiger in Halle/Saale

Wenns hinten kracht

Nicht immer genügt der so genannte „Anscheinsbeweis“ bei Auffahrunfällen auf der Autobahn, dem Auffahrenden die Alleinschuld an dem Unfall zuzuscheiben.

Davon gibt es Ausnahmen, so auch die Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 13.12.2016 VI ZR 32716:

  1. Bei Auffahrunfällen kann, auch wenn sie sich auf Autobahnen ereignen, der erste Anschein dafür sprechen, dass der Auffahrende den Unfall schuldhaft dadurch verursacht hat, dass er entweder den erforderlichen Sicherheitsabstand nicht eingehalten hat (§ 4 Abs. 1 StVO), unaufmerksam war (§ 1 StVO) oder mit einer den Straßen- und Sichtverhältnissen unangepassten Geschwindigkeit gefahren ist (§ 3 Abs. 1 StVO) (Fortführung Senatsurteil vom 13. Dezember 2011, VI ZR 177/10, BGHZ 192, 84 Rn. 7).
  2. Der Auffahrunfall reicht als solcher als Grundlage eines Anscheinsbeweises aber dann nicht aus, wenn weitere Umstände des Unfallereignisses bekannt sind, die – wie etwa ein vor dem Auffahren vorgenommener Spurwechsel des vorausfahrenden Fahrzeugs – als Besonderheit gegen die bei derartigen Fallgestaltungen gegebene Typizität sprechen (Fortführung Senatsurteil vom 13. Dezember 2011, VI ZR 177/10, BGHZ 192, 84 Rn. 7).

Insoweit bei solchen Unfällen als Auffahrender nicht gleich „aufgeben“, vielmehr Fachleute wie Sachverständige und Rechtsanwälte einschalten.

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